- Poncha ist das typische Getränk Madeiras: aguardente de cana (Rum aus Zuckerrohrsaft), Zitronen- oder Orangensaft und Honig, verquirlt mit einem Holzstab namens caralhinho.
- Er hat rund 20–25 % Alkohol – und die süßen Zitrusfrüchte lassen dich das sehr schnell vergessen.
- Sorten: Am traditionellsten ist der Poncha pescador (die Fischerversion, ohne Orange), am beliebtesten der Poncha regional mit Orange. Dazu kommen Fruchtvarianten, z. B. mit Maracuja.
- Wo du ihn trinkst: in Câmara de Lobos, dem Geburtsort des Poncha, in der Taberna da Poncha in Serra d’Água und in den Bars der Zona Velha (Altstadt) von Funchal.
- In diesem Guide findest du außerdem ein Rezept für traditionellen Poncha für 2 Personen.
Madeira ohne Poncha ist wie Italien ohne Pizza. Das lokale Getränk aus einem ganz besonderen Zuckerrohrrum, Honig und Zitrusfrüchten wärmt die Leute hier schon seit dem 18. Jahrhundert. Und seine tückische Süße sorgt dafür, dass das zweite und dritte Glas gefährlich schnell leer sind.
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Was ist Poncha?
Poncha ist ein traditionelles alkoholisches Getränk aus Madeira. Seine Basis ist aguardente de cana – ein Brand aus Zuckerrohrsaft, der auf der Insel hergestellt wird. Zum Zuckerrohrrum kommen frisch gepresster Zitrussaft (Zitrone oder Orange) und Honig oder Zucker. Alles wird kräftig mit einem traditionellen Holzquirl namens caralhinho vermischt.
Der fertige Drink hat rund 20–25 % Alkohol, liegt also auf dem Niveau starker Cocktails. Der Haken? Die Süße und Frische der Früchte überdecken, wie stark er ist. Daher das Sprichwort der Einheimischen:
Der erste Poncha geht leicht runter, der zweite macht glücklich, und nach dem dritten … sprichst du Portugiesisch.
Seit 2000 ist Poncha eine geschützte geografische Angabe (Poncha da Madeira PGI). Das heißt: Offiziell darf nur ein Getränk mit einheimischem madeirischem Rum diesen Namen tragen.
Die Geschichte des Fischergetränks
Die Wurzeln des Poncha reichen über Madeira hinaus. Vorbild war das indische Getränk „panch“ (Hindi für fünf) aus fünf Zutaten: Alkohol, Zucker, Zitrone, Wasser und Tee oder Gewürze. Britische Seeleute lernten es im 18. Jahrhundert auf ihren Fahrten nach Indien kennen und brachten das Rezept nach Madeira.
Auf der Insel veränderte sich der Drink. Statt Tee: Zitrusfrüchte, von denen Madeira reichlich hat. Statt asiatischer Gewürze: einheimischer Honig. Und vor allem: aguardente de cana, ein Rum aus Zuckerrohr, das auf der Insel seit 1425 angebaut wird.
Poncha wurde zum Getränk der Fischer von Câmara de Lobos – einem kleinen Fischerort im Südwesten der Insel. Die Fischer tranken ihn, bevor sie aufs Meer hinausfuhren, als Mittel gegen Erkältung (Vitamin C aus den Zitrusfrüchten + Honig + Alkohol) und als Energiequelle an kühlen Morgen. Mit der Zeit verbreitete sich der Drink auf ganz Madeira und wurde zu einem Symbol der Insel.
Poncha-Sorten – vom Klassiker bis zum Experiment
Poncha à Pescador (der Poncha der Fischer)
Die traditionellste Variante, treu nach dem Originalrezept der Fischer:
- Aguardente de cana (40–50 % Vol.)
- Frisch gepresster Zitronensaft
- Honig oder Zucker
Das ist die einfachste und stärkste Version. Ohne süße Orange, die die Schärfe der Zitrone abmildert, lässt dich der Poncha pescador keine Sekunde vergessen, dass du Alkohol trinkst. Ich gebe zu: Er ist mein Favorit.
Poncha Regional
Die beliebteste Variante, die du in den meisten Bars bekommst:
- Aguardente de cana
- Zitronensaft + Orangensaft
- Honig
Die Orange macht den Drink zugänglicher – süßer, weniger sauer, leichter zu trinken. Und genau diese Version ist meistens „schuld“, wenn man viel zu schnell beschwipst ist.

Frucht-Poncha
Moderne Varianten mit anderen Fruchtsäften:
- Maracujá – mit Maracuja (Passionsfrucht)
- Tangerina – mit Mandarine
- Seltener: Erdbeere, Kiwi, Tomate
ACHTUNG: In vielen Touristenbars wird „Frucht-Poncha“ mit Wodka statt mit aguardente de cana gemacht. Das ist kein authentischer madeirischer Poncha – wenn dir Tradition wichtig ist, frag nach, ob sie aguardente verwenden.

Caralhinho – das Werkzeug, das den Unterschied macht
Traditioneller Poncha wird nicht einfach im Cocktailshaker „geschüttelt“. Die Zutaten werden kräftig mit einem Holzwerkzeug namens caralhinho verquirlt (wörtlich und ziemlich derb: „kleiner Penis“), höflicher auch mexelote genannt.
Das ist ein zylindrischer Holzquirl mit eingekerbtem unterem Ende, ein bisschen wie ein Mini-Stößel. Man dreht ihn energisch zwischen den Handflächen – so werden die Zutaten verwirbelt und emulgiert. Dank des Caralhinho verbindet sich der Honig, der sich in Alkohol nur schwer löst, glatt mit Saft und Rum.
Die Einheimischen sagen, dass nicht einmal ein Thermomix mit einem Caralhinho mithalten kann. Und sie haben recht: Beim Mischen von Hand entsteht oben ein typischer Schaum, den du mit einer Maschine einfach nicht hinbekommst.
Wo du auf Madeira Poncha trinkst
Legendäre Adressen
Taberna da Poncha – Serra d’Água
Die bekannteste Poncha-Taverne der Insel, mit über 70 Jahren Tradition.
Lage: ER104 n°375, Serra d’Água (im Tal zwischen Ribeira Brava und Encumeada)
Atmosphäre:
- Wände voller Visitenkarten, Fußballschals und Andenken aus aller Welt
- Erdnussschalen auf dem Boden (das ist Tradition!)
- Poncha, der direkt vor deinen Augen mit dem Caralhinho gemixt wird
- Eine Terrasse mit Blick auf die Berge
Was es gibt:
- Poncha Regional, Pescador, Maracujá, Tangerina
- Gratis amendoins (Erdnüsse) und tremoços (Lupinenkerne)
- Flaschen zum Mitnehmen
Hinweis: Die Beliebtheit hat ihren Preis – in der Hochsaison kann es sehr voll werden. Manche einheimischen Stammgäste murren, die Taverne habe ihre Ursprünglichkeit verloren, aber der Poncha ist immer noch sehr gut.
Poncha de São Vicente
Eine ausgezeichnete Alternative im Norden der Insel – eine lokale Bar mit frischem Poncha und Blick auf grüne Hügel.
Lage: Estrada João Abel de Freitas, São Vicente (am großen Kreisverkehr, wenn du aus Richtung Ribeira Brava in den Ort kommst – ein rotes Gebäude mit großem Parkplatz)
Atmosphäre:
- Traditionelles Flair
- Eine große Außenterrasse mit Bergpanorama
- Jeep-Safaris legen hier oft einen Stopp ein
Diese Jeep-Touren in den Osten und den Westen der Insel habe ich in meinem Guide zu Ausflügen und Touren auf Madeira verglichen.
Was es gibt:
- Frischer Poncha, vor Ort gemixt (nicht aus der Flasche!)
- Verschiedene Sorten: klassisch, Kiwi (sehr empfehlenswert!), Maracuja, Mandarine
- Nikita (Ananaseis mit Bier, oft auch mit Weißwein)
- Tapas, Burger, tábuas (Platten zum Teilen)
- Preis: ca. 2 € pro Poncha (Stand 2024)
ACHTUNG: Nur Barzahlung – Karten werden nicht akzeptiert!
Praktische Tipps:
- Der Service ist meist schnell, zu Stoßzeiten kann es aber eine Schlange geben
- Etwa 580 m weiter liegen die Höhlen von São Vicente, die aber seit März 2020 ohne Termin für eine Wiedereröffnung geschlossen sind (mehr über die Höhlen)
- Großer, kostenloser Parkplatz

Câmara de Lobos – der Geburtsort des Poncha
In diesem Fischerort im Südwesten der Insel wurde der Poncha geboren. Hier passten Fischer im 18. Jahrhundert das Rezept an, das später zum Symbol Madeiras wurde. Heute findest du an der Uferpromenade und in den engen Gassen Dutzende kleine Bars und Tavernen, die Poncha ausschenken.
Das sichere Zeichen für eine authentische Bar: Erdnussschalen auf dem Boden. Nach örtlicher Überlieferung heißt das, dass der Poncha gut ist – die Leute bleiben länger, essen Erdnüsse und bestellen noch ein Glas.
Bekannte Adressen:
- N.º 2 É Prá Poncha
- Venda do Sócio
Funchal – Zona Velha
In der Altstadt von Funchal gibt es mehrere Bars, die auf Poncha spezialisiert sind. Manche, etwa Venda Velha, verbinden Tradition mit modernem Flair – Musik, DJs und „Poncha-Meter“: Tabletts voller kleiner Gläser.
Eine gute Wahl, wenn du eine Verkostung mit einem Abend auf der Piste verbinden willst – die Stimmung ist allerdings eher Club als ursprüngliches Madeira.
- Venda Velha
- Bar Number Two
Porto da Cruz – eine Rumbrennerei
Im Nordosten der Insel liegt Engenhos do Norte – die letzte aktive Rumbrennerei Madeiras, die noch mit einer hundert Jahre alten Dampfmaschine arbeitet. Hier siehst du, wie aguardente de cana entsteht, die Basis des Poncha.
Riesige dampfbetriebene Walzen pressen das Zuckerrohr aus, der Saft wird anschließend vergoren und destilliert. Nach der Besichtigung kannst du natürlich probieren – sowohl den Rum als auch den Poncha.
So erkennst du eine gute Poncha-Bar
- Frisch gemixter Poncha – nicht aus der Flasche, nicht aus einer Fertigmischung
- Mit aguardente de cana – frag direkt nach; manche Lokale schummeln mit Wodka
- Ein traditioneller caralhinho – gemixt werden sollte vor deinen Augen mit dem Holzquirl
- Einheimische Gäste – wenn du nur Reisebusse siehst, hat die Qualität wahrscheinlich gelitten
- Erdnussschalen auf dem Boden – paradoxerweise gilt: je größer das Chaos, desto besser der Poncha
Wie du Poncha trinkst (ohne es zu übertreiben)
Poncha wird in kleinen Gläsern ohne Eis serviert – in Touristenbars fragt man dich aber oft, wie du ihn möchtest. Traditionell trinkt man ihn „pur“: ohne Eis, zimmerwarm oder leicht gekühlt.
Dazu gibt es Erdnüsse oder tremoços (eingelegte Lupinenkerne) – die salzigen Snacks gleichen die Süße des Drinks aus.
Preise
- In ursprünglichen Tavernen: 1,50–3 € pro Glas
- In Restaurants und Bars im Zentrum von Funchal: 3–5 €. In Hotels: ab 6 €
Vorsicht, nicht übertreiben!
Poncha rutscht leicht – vor allem die Varianten mit Orange oder anderen Früchten. Süße und Frische der Früchte überdecken die 20–25 % Alkohol. Erfahrene Poncha-Trinker nippen langsam, genießen und lassen ein Glas eine halbe Stunde lang reichen.
Anfänger machen oft den Fehler, zu schnell zu trinken. Und dann haut der „dritte Poncha“ stärker rein als gedacht.

Poncha aus der Flasche – lohnt sich das?
In Geschäften auf ganz Madeira (am Flughafen, im Mercado dos Lavradores, in Souvenirläden) bekommst du Poncha verschiedener Hersteller in Flaschen. Die Preise liegen zwischen 8 und 20 € für eine 0,7-l-Flasche.
Ehrlich gesagt: Poncha aus der Flasche kommt an frisch gemixten nicht heran. Er ist meist zu süß, hat einen künstlichen Nachgeschmack und es fehlt die Frische der Zitrusfrüchte. Im Grunde ist es ein süßer Likör, der an Poncha erinnert, ohne wirklich Poncha zu sein.
Wenn du „ein Stück Madeira“ mit nach Hause nehmen willst, kaufst du besser:
- Eine Flasche aguardente de cana (gibt es in jedem größeren Geschäft)
- Einheimischen madeirischen Honig
- Vielleicht einen caralhinho als Andenken
Und dann mixt du dir deinen Poncha zu Hause selbst – mit frischen Zutaten.
Traditionelles Poncha-Rezept (für 2 Personen)
Als (unter anderem) Foodbloggerin kann ich dich unmöglich ohne Rezept gehen lassen!
Zutaten
- 100 ml aguardente de cana*
- 50 ml frisch gepresster Zitronensaft (ca. 1,5 Zitronen)
- 50 ml frisch gepresster Orangensaft (ca. 1 Orange)
- 2–3 Esslöffel Honig (nach Geschmack)
- Zitronenschale (optional)
- Zucker (optional, wenn du es süßer magst)
*Wenn du keinen aguardente de cana bekommst, nimm weißen Rhum agricole (aus Zuckerrohrsaft). Das ist dann kein hundertprozentig authentischer madeirischer Poncha, aber näher kommst du ohne das Original nicht heran.

Zubereitung
- Saft vorbereiten: Zitronen und Orangen frisch auspressen. Wenn du mehr Aroma willst, reib etwas Zitronenschale in den Drink (nur das Gelbe).
- Honig auflösen: Den Honig in ein hohes Glas oder einen kleinen Krug geben. Etwa die Hälfte des Zitrussafts dazugeben und kräftig mit einem Holzlöffel oder – falls vorhanden – einem caralhinho rühren. Der Honig muss sich vollständig auflösen und mit dem Saft verbinden.
- Restlichen Saft dazugeben: Den übrigen Zitronen- und Orangensaft hineingießen. Weiter kräftig rühren.
- Alkohol hinzufügen: Den aguardente in zwei Portionen dazugießen und jedes Mal kräftig rühren. Die traditionelle Technik: den Holzquirl (oder Löffel) senkrecht in den Krug stellen und schnell zwischen den Handflächen drehen, als wolltest du mit einem Stöckchen Feuer machen – so werden die Zutaten verwirbelt und emulgiert.
- Abschmecken: Probier einen Schluck. Zu sauer? Mehr Honig oder eine Prise Zucker. Zu süß? Ein Spritzer Zitronensaft. Zu stark? Du kannst ihn mit etwas Mineralwasser verdünnen (auch wenn Traditionalisten dabei zusammenzucken).
- Servieren: In kleine Gläser abseihen. Traditionell wird er ohne Eis serviert, du kannst ihn aber vorher 10 Minuten im Kühlschrank kühlen.
Oben sollte sich ein zarter Schaum bilden – das Zeichen für richtig gequirlten Poncha.
Variante Pescador (Fischer-Poncha): Den Orangensaft weglassen und nur Zitrone verwenden. Den Honig durch Zucker ersetzen (2 Teelöffel). Das ist eine schärfere, „feurigere“ Version.
Fruchtvariante: Den Zitronen- und Orangensaft ganz oder teilweise durch Maracuja-, Mandarinen- oder einen anderen Fruchtsaft ersetzen. Das Verhältnis Alkohol zu Saft bei etwa 2:1 lassen.
Wissenswertes über Poncha
- Der Name „poncha“ ist die portugiesische Version des englischen „punch“, das wiederum vom Hindi-Wort „panch“ (fünf Zutaten) kommt
- Poncha diente als Inspiration für die berühmte brasilianische Caipirinha
- Caralhinho heißt wörtlich „kleiner Penis“ – wegen der Form des Holzquirls
- Madeiras aguardente de cana ist eigentlich ein Rhum agricole – Rum aus Zuckerrohrsaft statt aus Melasse (wie die meisten Rumsorten)
- Die Madeirer glauben bis heute, dass Poncha gegen Erkältung hilft – daher der Spruch „poncha a qualquer hora“ (Poncha zu jeder Stunde)
- Der Name ist seit den 2000er-Jahren rechtlich geschützt: Nur ein Getränk mit einheimischem Rum darf „Poncha da Madeira PGI“ heißen
Poncha ist nicht einfach ein Drink – er ist ein Stück madeirischer Identität, ein Ritual, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Am besten schmeckt er in einfachen Tavernen, wo er mit dem caralhinho gemixt und mit Erdnüssen serviert wird, deren Schalen auf dem Boden landen, und wo du öfter Portugiesisch hörst als Englisch.
Wenn du so ein Lokal findest, bestell einen Poncha regional mit frischem Saft – der ideale Mittelweg zwischen Tradition und Trinkbarkeit. Trink langsam und genieß jeden Schluck. Und denk daran: Poncha aus der Flasche vom Flughafen ist nur ein blasser Abklatsch – die echte Magie entsteht frisch, im Rhythmus des caralhinho in den flinken Händen des Barkeepers.
Und wenn dich auf einer Bergwanderung auf Madeira der Regen erwischt und du merkst, dass eine Erkältung im Anmarsch ist? Die Einheimischen wissen genau, was zu tun ist: Poncha à pescador, ohne Wenn und Aber.
Bei Engenhos do Norte habe ich 2023 den Rum probiert, verliebt habe ich mich in Poncha aber erst 2025. Heute stehen bei mir zu Hause Zuckerrohrrum und ein Holzquirl, und ab und zu mixen wir das Rezept nach.
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