Die Levada do Rei, die „Levada des Königs“, trägt ihren Namen zu Recht. Dieser Weg gehört zu den Wanderwegen auf Madeira, die dich nicht mit steilen Graten oder schwindelerregenden Abgründen beeindrucken wollen. Stattdessen führt er dich tief ins Innere der Insel, wo du nur das Wasser im Kanal rauschen und die Vögel in den Kronen alter Lorbeerbäume hörst.
Der Wanderweg PR18 war ab Mitte März 2026 wegen Schäden nach Starkregen gesperrt. Nach mehreren Wochen Arbeit – die Strecke wurde geräumt und mit neuen Geländern versehen – hat das IFCN (Institut für Wälder und Naturschutz von Madeira) ihn im April 2026 wieder geöffnet. Laut IFCN-Liste vom 2. Oktober 2026 ist der Weg offen, den aktuellen Stand prüfst du auf der Seite zum Status der Wanderwege.
Ein guter Moment, diesen Weg von Grund auf zu beschreiben – für alle, die ihre Madeira-Reise gerade erst planen.
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Die Route Schritt für Schritt
Der Weg beginnt an der Kläranlage (ETAR) in Quebradas, oberhalb des Dorfes São Jorge an der Nordküste Madeiras. Neben dem Start gibt es einen Parkplatz und ein Café, Quinta Levada do Rei. Gut zu wissen, denn das ist deine letzte Gelegenheit, dich vor dem Losgehen zu versorgen.
Ein Feldweg, der Caminho do Curralinho, führt von der asphaltierten Straße zur Wasserstation. Die Levada do Rei verläuft hier daneben in einem Betonkanal, umgeben von Schmucklilien (Agapanthus) und Eukalyptus. Der Anfang ist bequem und breit, von der Wildwald-Atmosphäre weiter hinten ist hier noch nichts zu spüren.
Hinter der Wasserstation und einem Betonwehr biegst du rechts ab und steigst über Stufen aus Beton und Erde parallel zur Levada hinauf, in der das Wasser mit richtig viel Kraft rauscht. Das ist der einzige spürbare Anstieg auf dem ganzen Weg. Bald wird der Pfad flach und folgt dem Kanal talaufwärts.




Der erste Abschnitt führt durch das bewaldete Tal Achada do Milheiro. Die Bäume schränken hier die Sicht ein, doch sobald du das Tal verlässt, öffnet sich ein Panorama auf den Pico Ruivo und die bewaldeten Kämme im Norden Madeiras, im Hintergrund Ilha und Santana. Der Pfad ist in gutem Zustand und kaum ausgesetzt, stellenweise gibt es aber kurze Abschnitte mit Geländer, wo die Levada in den Fels gehauen wurde.
Die Route windet sich um ein Seitental nach dem anderen. In einem davon überquerst du einen Bach – einer der „abenteuerlicheren“ Momente auf dem Weg. Im nächsten durchquerst du das Tal auf dreieckigen Trittsteinen im Bachbett. Weiter geht es durch einen kurzen, gebogenen Felstunnel, in dem Steinplatten über dem Kanal liegen. Kurz vor dem Tunnel öffnet sich der Blick talaufwärts, danach talabwärts.
Nach dem Tunnel biegt der Weg rechts um eine Felsecke, mit Geländer und überhängendem Fels. Steig nicht unter die Levada-Mauer hinab, auch wenn du dort einen Pfad nach unten siehst: Bleib auf der Kanalmauer.
Der letzte Abschnitt taucht dich ganz in den Lorbeerwald ein. Die Talhänge rücken spürbar näher, die Vegetation wird dichter. Gut möglich, dass du nass wirst: Über dem Pfad hängen tropfende Felsüberhänge.
Das Finale: Ribeiro Bonito. Die Levada endet in einer tiefen, steilen Schlucht, bewachsen mit riesigen Til-Bäumen (Ocotea foetens), einem Lorbeergewächs, das typisch für den makaronesischen Lorbeerwald (Laurisilva) ist. Die Bäume sind hier hoch und bemoost, und der Bach Ribeiro Bonito stürzt über farnbewachsene Felsblöcke. Einer dieser Orte auf Madeira, an denen du dich fühlst wie in einem Wald von vor Millionen Jahren.
Zurück geht es auf demselben Weg. Die Route ist linear (hin und zurück), auf dem Rückweg siehst du also dieselben Ausblicke aus der anderen Richtung.
Mit dem Auto zum Startpunkt: Viele Startpunkte von Wanderungen, etwa am Pico do Arieiro oder im Fanal-Wald, erreichst du nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Vergleiche Mietwagenpreise am Flughafen Madeira (FNC) bei DiscoverCars.
Der Lorbeerwald: Was macht diesen Weg so besonders?
Die Levada do Rei führt durch die Laurisilva, einen Lorbeerwald, der auf Madeira die Eiszeiten überdauert hat und ein Relikt der Tertiärflora ist. Am 2. Dezember 1999 nahm die UNESCO Madeiras Laurisilva in die Liste des Weltnaturerbes auf – der einzige Eintrag Portugals in der Kategorie Naturerbe.
Auf dem PR18 zeigt sich die Laurisilva nach und nach: Der erste Teil der Route führt durch Mischwald mit heimischen und eingeführten Pflanzen. Etwa ab der Hälfte ändert der Wald seinen Charakter, und du kommst in ein Gebiet, in dem endemische Arten dominieren: Madeira-Lorbeer (Laurus novocanariensis), Til (Ocotea foetens) und Vinhático (Persea indica).
Zu den Vögeln, die du hier sehen kannst, gehören das Madeira-Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapillus maderensis) und der Madeira-Buchfink (Fringilla coelebs maderensis), beides auf Madeira endemische Unterarten.
Ein weiterer schöner Weg durch den Lorbeerwald ist die Vereda do Fanal (PR13). Wenn du noch tiefer in die Laurisilva eintauchen willst, lohnen sich beide.
Warum PR18 und nicht PR6?
Die Levada do Rei wird oft mit der Levada das 25 Fontes (PR6) verglichen, dem beliebtesten Wanderweg Madeiras. Beide Routen führen durch Lorbeerwald und enden am Wasser, doch die Wanderungen fühlen sich völlig unterschiedlich an.
Auf dem PR6 gilt Einbahnverkehr mit Besucherlenkung, und das aus gutem Grund: In der Hochsaison wimmelt es dort von Menschen. Der PR18 ist viel ruhiger. Er liegt an der Nordküste, weiter weg von den großen Touristenzentren, und zieht weniger Leute an.
Der PR18 ist keine „leichtere Version“ des PR6. Er ist ein anderes Erlebnis: anfangs optisch weniger spektakulär, aber mit einem eindrucksvollen Finale am Ribeiro Bonito und einem stärkeren Gefühl von Wildnis und Abgeschiedenheit.
Die Wassermühle: ein Bonus auf dem Rückweg
Die Wassermühle von São Jorge (Moinho de Água) ist die einzige noch arbeitende Mühle der Region, angetrieben vom Wasser der Levada do Rei. Die Mühle hat rund drei Jahrhunderte Geschichte und mahlt unter der Aufsicht eines einheimischen Müllers noch heute Getreide von den Terrassenfeldern der Umgebung.
Neben der Mühle steht eine historische wasserbetriebene Sägemühle (Serragem a Água), ebenfalls angetrieben vom Wasser der Levada do Rei. Beide liegen auf dem Weg zwischen São Jorge und Quebradas – plan einen Abstecher also am besten für den Rückweg ein.
Aktueller Status des Weges
Den regelmäßig aktualisierten Status des PR18 und aller anderen Wanderwege auf Madeira findest du auf meiner Seite zum Status der Wanderwege auf Madeira.
WeiterlesenStatus der Wanderwege auf Madeira. 🥾 Aktuelle Liste der IFCN-RoutenWenn du auf Madeira wandern willst, verlass dich nicht auf Reiseführer vom letzten Jahr. Der Status der Wege ändert sich – mal wegen Wartungsarbeiten, mal wegen des Wetters oder Erdrutschen nach Starkregen. Diese Seite wird regelmäßig anhand offizieller IFCN-Daten aktualisiert. Aktualisiert: 4. Oktober 2026
Quellen
Mitteilung des IFCN zur Wiedereröffnung des PR18, über Madeira Island News Blog, 16. April 2026
Offizielles Datenblatt zum PR18 – IFCN
Visit Madeira – Seite zum PR18
Paddy Dillon, Walking on Madeira, Walk 27: Levada do Rei from Quebradas
IFCN, Percursos Pedestres Classificados, Stand 2. Oktober 2026
SIGA – neue Liniennummern ab 9. März 2026 und CAM-Fahrplan „Rede Santana“ (abgerufen am 16. Oktober 2026), Ticketpreise ab 1. April 2026 (Portaria n.º 128/2026)
Portaria n.º 801/2025 (10. Dezember 2025) – Gebührentabelle der Wanderwege für 2026
Portaria n.º 48/2026 (13. Februar 2026) – Änderung der Gebühren
IFCN FAQ – Taxas Percursos Pedestres, Stand 2. Juni 2026
Offizieller Madeira-Reiseführer (polnische Ausgabe), Madeira Tourism Promotion Bureau
WalkMe Guide, TOP 10: Best levada walks in Madeira
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⚠️ Wichtig: madeira-planer.de ist ein unabhängiger Guide, den ich als Hobby betreibe. Hier teile ich meine eigenen Erfahrungen und das, was ich bei meinen Aufenthalten auf Madeira gelernt habe. Ich bin keine geprüfte Bergführerin – alles hier dient nur der Information und Inspiration.
Prüfe vor jeder Wanderung den aktuellen Status des Wanderwegs auf der offiziellen Website des IFCN (Institut für Wälder und Naturschutz von Madeira), schau dir die Wettervorhersage an und schätze deine Kondition ehrlich ein. In den Bergen können sich die Bedingungen schnell ändern – wenn du keine Erfahrung mit Bergwanderungen hast oder anspruchsvollere Routen planst, überleg dir, einen qualifizierten Bergführer zu buchen.
Wenn du auf die Wanderwege gehst, tust du das auf eigene Gefahr. Deine Sicherheit hängt von deinen Entscheidungen ab.




