- Bolo do caco ist ein madeirensisches Fladenbrot aus Weizenmehl und Süßkartoffel, das traditionell auf einer Basaltplatte gebacken wird, dem sogenannten caco.
- Geschmack: leicht süßlich, außen knusprig, innen weich. Klassisch kommt es warm auf den Tisch, mit Knoblauchbutter und Petersilie.
- Seine Geschichte reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Für das Brot brauchte man keinen Ofen, deshalb konnten es auch die ärmsten Familien backen.
- Eine Inselrivalität: Auf Madeira geht der Teig zweimal, auf Porto Santo dreimal.
- Wo du es isst: Bolo do caco gibt es auf Madeira wirklich überall. In diesem Guide empfehle ich unter anderem das Restaurant Why not in Funchal.
Fast so flach wie ein Pitabrot, leicht süßlich und goldbraun wie ein Naan. Noch warm serviert, mit Knoblauchbutter und Kräutern. Bolo do caco ist nicht nur ein kulinarisches Symbol Madeiras – es ist ein Brot mit eigener Geschichte, eigenen Traditionen und… einem lokalen Streit darüber, wer es am besten macht.
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Was ist Bolo do caco?
Bolo do caco ist ein traditionelles Fladenbrot von Madeira aus Weizenmehl, Süßkartoffel, Hefe, Wasser und Salz. Es ist rund und flach (stell dir ein dickes Pitabrot oder eine kleine Focaccia vor), mit dünner, knuspriger Kruste und weichem, fluffigem Inneren.
Der Name verrät, wie es gebacken wird – traditionell auf einer flachen Basaltplatte namens „caco“, die direkt auf die Glut gelegt wird. „Bolo“ heißt auf Portugiesisch „Kuchen“, auch wenn es in Wirklichkeit ein Brötchen ist.
Die Geschichte des Bolo do caco – von einer Tradition versklavter Menschen zum Symbol Madeiras
Die Ursprünge des Bolo do caco reichen ins 15. Jahrhundert und in die Anfänge der Besiedlung Madeiras zurück (die Insel wurde 1419 entdeckt). Versklavte Menschen aus Nordafrika sollen das Rezept für dieses einfache Brot mitgebracht haben. Fladenbrote auf heißen Steinen zu backen ist typisch für den Maghreb – bis heute erkennst du Ähnlichkeiten zwischen Bolo do caco und nordafrikanischen Broten wie „khobs“ oder „kesra“.
Warum gerade diese Methode? Im 16. Jahrhundert verboten königliche Erlasse private Backöfen – die Menschen mussten dafür bezahlen, ihr Brot in Öfen backen zu lassen, die dem König, großen Grundherren oder Orden gehörten. Für Bolo do caco brauchte man keinen Ofen, also konnte es jeder machen, selbst in den ärmsten Haushalten. Weil keine Backgebühr anfiel, setzte sich diese Art des Brotbackens auf breiter Front durch.
Warum kommt Süßkartoffel ins Brot?
Madeira hat kaum ebene Flächen – Weizenfelder waren selten und Weizenmehl ein Luxus. Immer wieder litt die Insel unter Getreidemangel. Die Lösung waren Süßkartoffeln, die im vulkanischen Boden Madeiras prächtig gediehen. Die Bäcker begannen, ihrem Brotteig gestampfte, geröstete Süßkartoffeln beizumischen. Das Ergebnis: ein Brot mit einem besonderen, leicht süßlichen Geschmack und einer ungewöhnlich saftigen, elastischen Krume.
WICHTIG: Das traditionelle Bolo do caco von Madeira wird mit weißen (gelben) Süßkartoffeln gemacht, nicht mit orangefarbenen. In Portugal verwendet man die Sorte Batata Doce de Aljezur – mit gelbem Fruchtfleisch und einem Aroma, das an Esskastanien erinnert.
Eine lokale Rivalität: Madeira gegen Porto Santo
Die Menschen auf Madeira und auf der Nachbarinsel Porto Santo streiten darüber, wer das bessere Rezept für dieses traditionelle Brot hat. Der Unterschied? In der Theorie klein, in der Praxis spürst du ihn an der Konsistenz. Auf Madeira lässt man den Teig zweimal gehen, auf Porto Santo dreimal.
Viele Madeirer geben (unter vorgehaltener Hand) zu, dass das Bolo do caco von Porto Santo besser ist. Manche schieben das allerdings darauf, dass die Madeirer auf Porto Santo Urlaub machen – und „Urlaub ist das beste Gewürz der Welt“.
Wie wird Bolo do caco serviert?
Traditionell kommt Bolo do caco warm auf den Tisch, bestrichen mit Knoblauchbutter und Petersilie.
Heute ist es außerdem die Basis für Sandwiches und Burger, und es wird zu Gegrilltem (Espetada, Fleischspieße), Thunfischsteak oder schwarzem Degenfisch gereicht. Manche Restaurants servieren es zu jedem Gericht als Beilage.
Wo du es probieren kannst
Bolo do caco gibt es auf Madeira wirklich überall. Du findest es an Straßenständen genauso wie in gehobenen Restaurants. Ein paar bekannte Adressen:
- Casa do Bolo do Caco (R. Fernão de Ornelas, 26, Funchal) – eine Bäckerei mitten in Funchal und eine lokale Legende; hier gibt es das Brot warm und mit traditionellen Füllungen
- Taberna Madeira (Funchal) – rustikale Atmosphäre, spezialisiert auf authentische regionale Gerichte
- Bolo do Caco Bar & Grill – typisch madeirensisches Essen, auf neue Art serviert
Bolo do Caco – why not?!

Das beste Bolo do caco hatte ich persönlich aber im Restaurant Why not in Funchal. Beim ersten Mal bin ich zufällig darauf gestoßen, auf dem Heimweg von einem Konzert im Mamma Art Museum – ich bestellte Pulled Pork im Bolo do caco. Saftiges, langsam gegartes Fleisch in BBQ-Soße, eingepackt in ein leicht süßliches, fluffiges, weiches Brot. Dazu Süßkartoffelpommes und ein frischer Salat.
Der Kontrast der Texturen war großartig. Die zarte Süße der Süßkartoffel im Brot passte perfekt zur BBQ-Soße.
Auf dem Rückweg von einem anderen Konzert habe ich mir ein traditionelles Bolo do caco mit Knoblauchbutter und Kräutern zum Mitnehmen bestellt – der Klassiker schlechthin. Eigentlich wollte ich es als Abendessen mit in die Wohnung nehmen, aber na ja… ich konnte nicht warten. Ich setzte mich in den nahen Parque de Santa Catarina und aß das noch warme, duftende Brot mit Blick auf die Insel und den Ozean. Manchmal gewinnt das Einfache, vor allem, wenn du es unter Palmen in einem Park isst und dabei auf das abendliche Funchal schaust.
Rezept für Bolo do caco
Zutaten (für 6–8 Stück):
- 500 g Süßkartoffeln (am besten weiße/gelbe)
- 500 g Weizenmehl
- 10 g frische Hefe
- 1 TL feines Salz
- 1 EL Zucker
- ca. 150–200 ml warmes Wasser
- etwas Mehl zum Bestäuben
Zum Servieren:
- Butter
- Knoblauch (2–3 Zehen)
- glatte Petersilie
- Salz
Zubereitung:
- Süßkartoffeln: Den Ofen auf 180 °C vorheizen. Die ungeschälten Süßkartoffeln in Alufolie wickeln und etwa eine Stunde backen. Danach schälen und zu Püree stampfen.
- Teig: Die Hefe mit dem Esslöffel Zucker in warmem Wasser auflösen. Mehl und Salz in eine Schüssel geben, die Hefemischung dazugießen und 150 g Süßkartoffelpüree hinzufügen (warm oder lauwarm, nicht heiß). Nach und nach warmes Wasser zugeben und etwa 10 Minuten kneten, bis der Teig elastisch und leicht klebrig ist.
- Gehen lassen: Mit einem Geschirrtuch abdecken und an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat (etwa eine Stunde).
- Formen: Den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben und in 6–8 gleich große Stücke teilen. Jedes Stück zu einer Kugel formen und dann zu einem Fladen von etwa 1,5–2 cm Dicke flach drücken. Abdecken und weitere 20–30 Minuten ruhen lassen.
- Backen: Die Brote in einer trockenen, gut vorgeheizten schweren Pfanne (am besten Gusseisen) bei mittlerer Hitze mit Deckel backen. Etwa 12–15 Minuten pro Seite, bis sie goldbraun sind.
- Knoblauchbutter: Weiche Butter mit fein gehacktem Knoblauch, Petersilie und einer Prise Salz verrühren.
- Servieren: Das noch warme Bolo do caco waagerecht aufschneiden (wie ein Baguette) und mit Knoblauchbutter bestreichen. Sofort servieren.
Praktische Tipps
Süßkartoffeln: Orangefarbene Süßkartoffeln bekommst du meist am leichtesten. Bolo do caco schmeckt damit etwas anders (süßer), aber das Rezept funktioniert trotzdem. Wenn du weiße/gelbe Süßkartoffeln entdeckst, greif ohne Zögern zu.
Backen: Entscheidend sind eine gut vorgeheizte, schwere Pfanne und mittlere Hitze. Ist sie zu heiß, verbrennt das Brot außen und bleibt innen roh. Ist sie zu kalt, trocknet es aus, statt zu bräunen.
Aufbewahren: Am besten frisch essen. Falls etwas übrig bleibt, wärm es in der Mikrowelle oder im Toaster auf (Vorsicht, dass es nicht austrocknet) oder in einer Pfanne mit Deckel.
Einfrieren: Viele Supermärkte auf Madeira (und auf dem portugiesischen Festland) verkaufen tiefgekühltes Bolo do caco – einfach aufwärmen und essen.
Bolo do caco ist nicht einfach nur Brot – es ist ein Stück Geschichte Madeiras: eine Geschichte vom Leben auf einer Insel, von Erfindungsgeist in Zeiten des Mangels und von unterschiedlichen kulturellen Einflüssen. Und vor allem ist es ein unglaublich leckeres Gebäck, das zu jeder Mahlzeit auf Madeira passt.
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