Funchal ist die Hauptstadt Madeiras – eine Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern, in der fast die Hälfte der Inselbevölkerung lebt. 1421 von João Gonçalves Zarco gegründet, zieht sie sich wie ein Amphitheater die Hänge über der Bucht hinauf, vom Meeresspiegel bis auf etwa 1200 m. Die Stadt verbindet eine Kathedrale aus dem 15. Jahrhundert mit einer Mudéjar-Decke, tropische Gärten (Monte Palace – 18 €, Jardim Botânico), eine Art-déco-Markthalle mit Azulejos (bemalten Fliesen), historische Weinkellereien und einige überraschende polnische Spuren – eine Statue von Johannes Paul II. und eine Büste von Piłsudski. Das Zentrum kannst du zu Fuß erkunden, auch wenn dich die steilen Straßen überraschen können. Gib Funchal mindestens zwei volle Tage. Die meisten Sehenswürdigkeiten in der Stadt erreichst du mit dem Stadtbus (2,05 € beim Fahrer, 1,45 € mit der GIRO-Karte) oder mit Taxi/Bolt.
Funchal ist das Herz und die Hauptstadt Madeiras, und doch nutzen die meisten Besucher die Stadt nur als Basis für Levada-Wanderungen. Dabei verdient die Stadt selbst mindestens zwei volle Tage. Von der Kathedrale aus dem 15. Jahrhundert über tropische Gärten bis zu überraschenden polnischen Spuren in der Geschichte – hier ist, was sich in Madeiras Hauptstadt wirklich lohnt.
Ich habe am Lido gewohnt, wie fast alle Touristen. Aber ich habe auch mehr als drei Wochen mitten im Zentrum gelebt, direkt neben der English Church. Und erst dann habe ich angefangen, Funchal … zu verstehen. Nicht besichtigen. Verstehen. Morgens mit meiner Hündin Tesla in den Park Santa Catarina und auf einen Kaffee, abends auf die Promenade. Ein Nachmittag zwischen zwei Wanderungen? Zu wenig. Gib dieser Stadt mindestens zwei Tage.




1: Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 2: Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 3: Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 4: Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama
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Was du in Funchal sehen solltest: ein Plan für 2 Tage
Funchal ist ziemlich steil und voller Anstiege (das fällt dir als Erstes auf, und nach ein paar Tagen gewöhnst du dich daran), aber das Zentrum lässt sich gut zu Fuß erkunden. Die beste Zeit für Besichtigungen in Funchal? Der Vormittag, wenn die Einheimischen gerade zur Arbeit gehen und weniger Kreuzfahrtgäste unterwegs sind – die Schiffe liegen meist zwischen 8:00 und 18:00 Uhr im Hafen, und sobald sie angelegt haben, wird es gegen Mittag im Zentrum spürbar voller. Wenn du nur zwei Tage hast, findest du unten den Plan, den ich dir empfehle.
Wenn dich am zweiten Tag die Müdigkeit einholt, empfehle ich dir genau diese Tuk-Tuk-Tour, die dich zu den schönsten Aussichtspunkten von Funchal bringt (zu Fuß ziemlich schwer zu erreichen). Ich war sehr zufrieden damit.
Mit dem Tuk-Tuk sind wir bis zum Aussichtspunkt Pináculo östlich des Zentrums gefahren. Von hier aus liegt dir ganz Funchal zu Füßen: der Hafen, die Kreuzfahrtschiffe und das Amphitheater aus Häusern bis hinauf in die Berge.
Funchal: Sehenswürdigkeiten und Unternehmungen
Jetzt wird es konkret – hier ist meine subjektive, aber vollständige Liste der Sehenswürdigkeiten in Funchal. Alle lohnen einen Besuch, und unterwegs entdeckst du auch weitere, weniger touristische Orte. Einige davon stehen im 2-Tage-Plan, andere … sind eine Einladung, etwas länger in Funchal zu bleiben.
Tuk-Tuk, Delfin-Bootstour und die Korbschlittenfahrt in Monte – Preise und meine Eindrücke habe ich in meinem Guide zu Ausflügen und Touren auf Madeira gesammelt.
Karte der Sehenswürdigkeiten in Funchal
Die Stadtparks von Funchal
In Funchal gibt es mindestens 10 öffentlich zugängliche Parks und Gärten. Hier sind meine Favoriten.
Parque de Santa Catarina (Park der heiligen Katharina)
Ein großer Stadtpark zwischen der Hotelzone und dem Zentrum, mit einer weitläufigen Rasenfläche, auf der Madeirer und Besucher tagsüber entspannen, und einem herrlichen Blick auf den Hafen und den Ozean. Exotische Bäume, Palmen, ein kleiner See – Santa Catarina ist ein guter Ort für einen Morgenspaziergang oder eine Verschnaufpause zwischen zwei Sehenswürdigkeiten.
Ich war hier fast jeden Tag mit Tesla. Der Park ist hundefreundlich und weitläufig, mit schattigen Wegen unter den Bäumen. Vom oberen Teil aus blickst du auf den Hafen, in dem die Kreuzfahrtschiffe anlegen – hier siehst du, welche Dimension der Tourismus auf der Insel hat.
Jardim Municipal (Stadtgarten)
Der Stadtgarten, auch Garten der Königin Amélia (Dona Amélia) genannt, liegt auf 8300 m² mitten im Zentrum, nördlich der Avenida Arriaga. Früher stand hier das Kloster São Francisco – auf einer der Rasenflächen siehst du noch den sogenannten Pedra de Armas (Wappenstein). Im Garten wachsen Pflanzen von Madeira und aus vielen anderen Ecken der Welt (die wichtigsten Arten sind beschildert). Es gibt einen Teich mit Fischen und Vögeln, Skulpturen und ein Amphitheater für Kulturveranstaltungen.
Auch das ist einer meiner Stammplätze in der Stadt – oft ruhiger als Santa Catarina und intimer. Er liegt direkt an der Hauptpromenade Avenida Arriaga, du kannst also gut kurz hineinschauen.
Quinta Magnólia
Die Quinta Magnólia ist einer dieser Orte in Funchal, die typische Reiseführer nicht erwähnen – schade eigentlich. Das Anwesen aus dem 19. Jahrhundert mit rund 35.000 m², früher Teil des British Country Club, ging 1980 in staatliche Hand über und ist heute ein öffentlicher Park für alle.
Auf dem Gelände wachsen exotische Bäume und Pflanzen aus aller Welt – sie nutzen das subtropische Klima Funchals voll aus und blühen das ganze Jahr. Doch die Quinta Magnólia ist mehr als ein Garten. Nach einer Modernisierung vor Kurzem gibt es hier Tennisplätze, einen Squashcourt, drei Padelplätze, einen Kinderspielplatz, eine Joggingstrecke entlang des Bachtals und sogar einen Ausstellungsraum im Hauptgebäude des Anwesens (dem sogenannten „Mutterhaus“, geöffnet Di–Sa 9:00–15:30 Uhr). Außerdem gibt es ein preiswertes Restaurant mit Bar. Im Sommer findet in der Quinta Magnólia das Funchal Jazz Festival statt.
Die Quinta Magnólia liegt nahe der Hotelzone am Lido, abseits der üblichen Touristenpfade im Zentrum – genau deshalb ist es hier ruhiger als in Santa Catarina oder im Jardim Municipal. Ein toller Ort für eine Pause vom Sightseeing oder für einen aktiveren Nachmittag auf einem der Plätze.
P.S. Wenn du in der Hotelzone an der Estrada Monumental wohnst, hast du auch den Jardim Panorâmico ganz in der Nähe – einen kostenlosen Garten mit Kakteen und Meerblick.






1: Der Stadtgarten, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2026, 2: Blick vom Park Santa Catarina auf die Kreuzfahrtschiffe im Hafen, März 2025, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 3: Park Santa Catarina, Foto: Ewelina Podrez-Siama, März 2025, 4: Blick vom Park Santa Catarina, Foto: Ewelina Podrez-Siama, März 2025, 5: Eingang zum Park Santa Catarina, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2026, 6: Blick vom Park Santa Catarina, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2026
Kathedrale Sé do Funchal
Die Kathedrale Unserer Lieben Frau von der Himmelfahrt (Sé Catedral de Nossa Senhora da Assunção) gehört zu den ältesten und wertvollsten Baudenkmälern in Funchal. Errichtet wurde sie an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert im Auftrag von König Manuel I. Der Bau begann 1493, geweiht wurde die Kathedrale am 18. Oktober 1517. Entworfen hat sie Pêro Anes, der Architekt des königlichen Hofes. Seit 1910 ist sie Nationaldenkmal.
Ein historisches Detail: Nachdem Papst Leo X. das Bistum Funchal gegründet hatte, war es das größte katholische Bistum der Welt – es umfasste alle von den Portugiesen entdeckten Gebiete, von Brasilien bis Japan.
Die Architektur verbindet gotische, manuelinische und maurische (Mudéjar) Elemente. Die Fassade aus schwarzem Basalt und weißem Kalkstein ist schlicht, aber mit einem gotischen Portal mit acht spitzbogigen Archivolten geschmückt. Drinnen zieht vor allem die hölzerne Mudéjar-Decke den Blick auf sich, aus madeirischer Zeder mit Elfenbein-Intarsien – eine der wertvollsten Decken dieser Art in Portugal. Dargestellt sind Szenen, die sich auf das große Zeitalter der Entdeckungen beziehen. Achte auch auf den mehrfarbigen Hochaltar im flämischen Stil, das Chorgestühl in der Hauptkapelle und den silbernen Tabernakel.
Den Innenraum schmücken Azulejos – bunte Keramikfliesen, typisch für die portugiesische Dekorationstradition.
Die Altstadt (Zona Velha) und die Rua de Santa Maria
Funchal gliedert sich in drei Hauptviertel: die Hotelzone (Zona Hoteleira) im Westen, das Zentrum (Centro) und die Altstadt (Zona Velha) im Osten.
Die Altstadt ist der stimmungsvollste Teil von Funchal – enge Gassen, restaurierte Stadthäuser und Nachtleben. Nach Einbruch der Dunkelheit erwacht die Zona Velha zum Leben und lockt Einheimische wie Besucher, die Bars mit Livemusik suchen.
Die Rua de Santa Maria ist die Hauptstraße der Altstadt und eine der ältesten Straßen Funchals. Bekannt ist sie für das Projekt „Kunst der offenen Türen“ (Projecto Arte Portas Abertas), bei dem lokale Künstler die Haustüren mit bunten Bildern bemalt haben. Jede Tür ist ein Kunstwerk für sich – von abstrakten Mustern bis zu Alltagsszenen. Die Straße liegt nah am Mercado dos Lavradores, du kannst sie also gut in deinen ersten Besichtigungstag in Funchal einbauen.




1: Eine Tür in der Rua de Santa Maria, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 2: Eine Tür in der Rua de Santa Maria, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 3: Eine Tür in der Rua de Santa Maria, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 4: Eine Tür in der Rua de Santa Maria, Foto: Ewelina Podrez-Siama




1: Eine bemalte Tür in der Zona Velha, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025, 2: Eine bemalte Tür in der Zona Velha, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025, 3: Die Tür der Toka de Baco in der Zona Velha, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025, 4: Eine Gasse in der Zona Velha, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025
Polnische Spuren in Funchal
Funchal birgt einige unerwartete polnische Spuren – Denkmäler für zwei bedeutende Polen, die im Stadtzentrum nicht weit voneinander entfernt stehen. Beide befinden sich mitten im Herzen von Funchal, du kannst sie also kaum übersehen, wenn du weißt, wonach du suchst.
Als Denkmäler sind sie nur mäßig beeindruckend. Aber der historische Hintergrund ist wirklich interessant.
Die Statue von Johannes Paul II.
Papst Johannes Paul II. besuchte Madeira am 12. Mai 1991. Im Stadion dos Barreiros feierte er vor 70.000 Menschen eine feierliche Messe. Entlang seiner Route wurde das Papamobil mit Blumen überschüttet, und die Straßen waren mit Teppichen aus frischen Blumen ausgelegt. Es war der einzige Papstbesuch auf Madeira. Die Statue steht direkt neben dem Eingang zur Kathedrale Sé – enthüllt wurde sie 1995.
Kurioses Detail: In der Kirche Johannes des Täufers im Viertel Atouguia werden Reliquien ersten Grades aufbewahrt – drei graue Haare des Papstes, die 2012 gestiftet und unter dem Altar beigesetzt wurden.
Die Büste von Józef Piłsudski
In der Rua António José de Almeida, die von der Kathedrale zum Boulevard am Meer führt, steht gegenüber dem Gebäude des Regionalparlaments (Assembleia Regional) eine Büste von Marschall Józef Piłsudski.
Ich gebe zu: Die Piłsudski-Büste in Funchal hat mich ein bisschen zum Schmunzeln gebracht.
Warum Piłsudski auf Madeira? Der Marschall verbrachte hier seinen längsten Urlaub – vom 21. Dezember 1930 bis etwa 23. März 1931. Erschöpft von der politischen Lage und mit Herz- und Leberproblemen wählte er Madeira auf Rat seiner Ärzte wegen des milden Klimas. Er wohnte in der Villa Quinta Bettencourt am Stadtrand von Funchal, Caminho do Pilar 20. Eine Gedenktafel an der Villa erinnert an seinen Aufenthalt.
Die Büste des einheimischen Bildhauers Ricardo Velosa wurde am 28. Oktober 2009 von Bronisław Komorowski enthüllt, dem damaligen Sejmmarschall (Präsident des polnischen Parlaments). Die Einheimischen nennen das Denkmal „Marechal“ (der Marschall). Interessant: Vom selben Bildhauer stammt die Bronzestatue von Cristiano Ronaldo an der Promenade.
In Funchal gibt es außerdem einen Kreisverkehr, der nach Piłsudski benannt ist – Rotunda de Józef Piłsudski, am Caminho do Esmeraldo.
Kurioses Detail: 1931 organisierten die Polen zum Namenstag des Marschalls (19. März) eine große Glückwunschaktion. Aus dem ganzen Land wurden mehr als eine Million Postkarten verschickt, was für die örtliche Post eine ziemliche Herausforderung war. Die Karten brachte der polnische Zerstörer ORP „Wicher“, der gerade erst in Frankreich fertiggestellt worden war.
Fortaleza de São João Baptista do Pico
Die Festung Pico (Fortaleza do Pico) ist eine der drei großen Festungen Funchals und liegt auf einem Hügel über dem Zentrum. Es ist die höchstgelegene Befestigung der Stadt, mit einem weiten Panorama über Funchal, den Hafen und den Ozean.
Die Aussicht von der Festung? Spektakulär. Der Aufstieg ist anstrengend – es ist eben eine Festung auf einem Hügel –, lohnt sich aber. Ich bin mit meiner Hündin Tesla hinaufgelaufen, und wir haben es geschafft. Die Gegend ist ruhig, etwas abseits vom touristischen Trubel im Zentrum – die perfekte Verschnaufpause von den Menschenmassen.
In der Nähe, an der Calçada do Pico, liegt das Museum Quinta das Cruzes – ein barockes Anwesen, auf das ich gleich noch komme.




1: Die Fortaleza do Pico über dem Zentrum von Funchal, Februar 2025, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 2: Aussicht von der Fortaleza de São João Baptista do Pico, Foto: Ewelina Podrez-Siama, März 2025, 3: Ein Wachturm der Fortaleza do Pico und der Blick auf den Hafen, März 2025, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 4: Aussicht von der Fortaleza de São João Baptista do Pico, Foto: Ewelina Podrez-Siama, März 2025
English Church (Igreja Inglesa)
Die anglikanische Kirche im Zentrum von Funchal zeugt von der starken britischen Präsenz auf der Insel – ab dem 17. Jahrhundert hatten die Briten enormen Einfluss auf die Entwicklung des Weinhandels und des Tourismus auf Madeira.
Und das überrascht dich vielleicht: Die English Church ist heute einer der besten Orte für ein Konzert in Funchal. Ich war mehrmals dort, und es hat sich jedes Mal gelohnt. Konzerte gibt es fast jeden Tag, zu unterschiedlichen Zeiten – vor allem klassische Musik, aber auch Hits in klassischen Arrangements. Das Rock Quartet war großartig – stell dir Rockhits von Queen, AC/DC oder Pink Floyd vor, gespielt auf klassischen Instrumenten in einer intimen Kirche mit wunderbarer Akustik.




1: Ein Wegweiser zur English Church an einem alten Stadthaus, März 2025, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 2: English Church, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2025, 3: Konzert des Rock Quartet in der English Church, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2025, 4: Die English Church zwischen den Dächern von Funchal, Februar 2026, Foto: Ewelina Podrez-Siama
Miradouro da Quinta das Cruzes
Ein Aussichtspunkt, zu dem du von der English Church aus zu Fuß gehen kannst. Schöne Blicke auf die Stadt und unterwegs Azulejos – Fliesenbilder aus Keramik an den Mauern. Lässt sich gut mit der Fortaleza do Pico und dem Museum Quinta das Cruzes verbinden – zusammen ergeben sie eine natürliche Aussichtsroute durch die Oberstadt von Funchal.




1: Miradouro da Quinta das Cruzes, Foto: Ewelina Podrez-Siama, März 2025, 2: Tesla an der Azulejo-Mauer am Miradouro da Quinta das Cruzes, Februar 2025, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 3: Blick auf Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 4: Blick vom Miradouro da Quinta das Cruzes über die Dächer von Funchal, Februar 2025, Foto: Ewelina Podrez-Siama
Museum Quinta das Cruzes (Museu Quinta das Cruzes)
Die Quinta das Cruzes ist eines der wichtigsten historischen Anwesen in Funchal – und einer der Orte, die Besucher am häufigsten auslassen, weil sie sich auf Gärten und Aussichtspunkte konzentrieren. Schade, denn hier steht ein Museum auf echtem historischem Boden.
Das Anwesen gehörte der Familie von João Gonçalves Zarco, dem Entdecker Madeiras. Zarco selbst baute um 1425 das erste Haus, erweitert wurde es von seinem Sohn João Gonçalves da Câmara – demselben, der auf der anderen Straßenseite das Kloster Santa Clara gründete.
Im Lauf der Jahrhunderte wechselte die Quinta oft den Besitzer – von der Familie Lomelino, italienischen Zuckerhändlern, bis zur Familie Carvalhal im 18. Jahrhundert. 1946 übernahm sie der Staat, 1953 wurde sie als Museum eröffnet.
Drinnen: eine Sammlung angewandter Kunst, die durch ihre Vielfalt überrascht. Portugiesische und englische Möbel aus dem 16. bis 19. Jahrhundert (darunter Stücke von Chippendale und Hepplewhite – ein Erbe der jahrhundertelangen britischen Präsenz auf Madeira), europäisches und ostasiatisches Porzellan (darunter Stücke aus der Qing-Dynastie), portugiesische Fayencen, Elfenbeinobjekte, flämische und portugiesische Skulpturen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert und sogar Krippen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Achte auf den flämischen Altaraufsatz aus Brüssel aus dem späten 15. Jahrhundert. Doch die Quinta das Cruzes ist mehr als ihre Innenräume.
Der Museumsgarten ist eine Attraktion für sich – ruhige Steinwege, Brunnen, endemische und exotische Pflanzen, Katzen, die in der Sonne dösen, und eine Sammlung architektonischer Fragmente aus verschiedenen Epochen: manuelinische Fenster, steinerne Wappen und Kreuze (daher der Name „Quinta das Cruzes“ – Landgut der Kreuze).
Den Garten kannst du getrennt vom Museum besuchen, und zwar kostenlos. Es gibt auch ein Café mit Terrasse (Bistrô Quinta das Cruzes) – ein schöner Ort für eine Pause nach dem steilen Aufstieg aus dem Zentrum. Die Quinta das Cruzes liegt direkt neben der Fortaleza do Pico und dem Miradouro da Quinta das Cruzes – diese drei Orte ergeben eine natürliche Route durch die Oberstadt von Funchal, abseits der Kreuzfahrtmassen.




1: Museum Quinta das Cruzes, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2026, 2: Der Garten des Museums Quinta das Cruzes, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2026, 3: Das Herrenhaus der Quinta das Cruzes, Februar 2026, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 4: Ein Tor auf dem Gelände der Quinta das Cruzes, Februar 2026, Foto: Ewelina Podrez-Siama
Monte Palace Tropical Garden (Jardim Tropical Monte Palace)
Monte Palace Tropical Garden ist ein Garten, den José Berardo angelegt hat, der das Anwesen 1987 kaufte. Er gehört zu den Top-Attraktionen Funchals. Der Garten liegt auf dem Hügel von Monte, auf etwa 550–600 m über dem Meer, und umfasst 70.000 m². Hier wachsen Pflanzen aus aller Welt – Azaleen, Heidekraut, Farne, Mammutbäume aus Nordamerika und Olivenbäume. Der Garten besitzt eine Sammlung von Palmfarnen (Encephalartos), die als lebende Fossilien gelten – mehr als 500 Pflanzen von 30 der rund 65 bekannten Arten. Es gibt auch einen Bereich mit der endemischen Flora Madeiras, darunter der gefährdete Pittosporum coriaceum (Mocano), und eine Nachbildung des Lorbeerwalds Laurissilva (UNESCO-Welterbe).
Im Garten siehst du orientalische japanische Gärten, Pavillons, Teiche mit Koikarpfen, Flamingos und Pfauen. Auf dem Gelände liegt auch das Monte Palace Museum mit zwei Sammlungen: Mineralien (vor allem aus Brasilien, Portugal, Peru und Nordamerika) und zeitgenössische Skulptur aus Simbabwe (Werke von Künstlern aus Tengenenge aus den 1950er- und 1960er-Jahren). Der Garten hat sogar eine App mit interaktiver Karte (für iOS und Android).
Der Monte Palace ist mein absoluter Lieblingsgarten in Funchal. Für die Besichtigung brauchst du 2–3 Stunden – und das ist nicht übertrieben, der Garten ist wirklich weitläufig. Orientalische Pavillons, ein Blick über die Bucht von Funchal, Keramikbilder, exotische Pflanzen – ein Ort, an dem du alle paar Schritte für ein Foto stehen bleibst. Und gut zu wissen: Der Monte Palace ist hundefreundlich – Tesla war dabei, und es gab kein Problem.






1: Monte Palace, Foto: Ewelina Podrez-Siama, März 2025, 2: Flamingos vor einem Azulejo-Bild im Monte Palace, Februar 2026, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 3: Ein Pfau mit aufgefächertem Schwanz auf einem Weg im Garten des Monte Palace, dahinter Bambus und die rote Wand eines Pavillons, Foto: Ewelina Podrez-Siama, März 2025, 4: Ein Bild aus traditionellen portugiesischen Azulejos mit Blumenmuster in einer efeubewachsenen Mauer im Monte Palace, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025, 5: Tropische Vegetation im Monte Palace – Baumfarne, Palmen und Strelitzien mit Blick auf Funchal und den Ozean, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025, 6: Piña Colada im Monte Palace, Foto: Ewelina Podrez-Siama, November 2023
So kommst du nach Monte
- Seilbahn Funchal–Monte – im Schnitt 18 Minuten Fahrt auf einer Strecke von 3,2 km (Talstation: Rua Dom Carlos I in der Zona Velha). Täglich 8:45–17:45 Uhr. Einfache Fahrt 16 €, hin und zurück 22 €.
- Stadtbus – die Linien 020, 021 und 022 aus dem Zentrum von Funchal und 048 aus der Hotelzone (Lido). Etwa 30 Minuten, Ticket 2,05 € beim Fahrer oder 1,45 € mit der GIRO-Karte.
- Seilbahn zum Botanischen Garten – verbindet den Jardim Botânico mit Babosas (Monte) in etwa 9 Minuten (die Strecke ist etwa 1,6 km lang). Einfache Fahrt 11 €, hin und zurück 16 € (Kinder 7–14: 6 € und 9 €). Es gibt auch ein Kombiticket mit Eintritt in den Botanischen Garten (19 € einfach, 24 € hin und zurück).
Die Korbschlitten von Monte
Nach dem Besuch im Monte Palace kannst du in einem traditionellen Korbschlitten Richtung Funchal zurückfahren – zwei Kilometer von Monte nach Livramento, gesteuert von zwei „Carreiros“ in traditioneller Kleidung. Die Fahrt dauert etwa 10 Minuten. Vom Ziel aus kannst du zu Fuß zum Botanischen Garten oder zurück nach Funchal gehen (etwa 30 Minuten, aber Vorsicht: steile Abstiege auf Asphalt) oder ein Taxi bzw. Bolt nehmen. Ich bin einmal gefahren, und es hat Spaß gemacht.
Ein interessantes Erlebnis, aber ehrlich gesagt würde ich es nicht noch einmal machen. Inzwischen ist das Ganze sehr deutlich auf Touristen ausgerichtet: Die Fahrt selbst ist im Nu vorbei, hier wird um Trinkgeld gebeten, dort will man dir Fotos von deiner Fahrt verkaufen. Einmal lohnt es sich – für das Erlebnis. Aber erwarte nichts wirklich Authentisches.




1: Korbschlitten in Monte, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2026, 2: Die Straße, auf der die Korbschlitten von Monte hinunterfahren, Februar 2026, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 3: Die Seilbahn nach Monte, Foto: Ewelina Podrez-Siama, März 2025, 4: Mit Hund in der Seilbahn nach Monte, Foto: Ewelina Podrez-Siama, März 2025
Botanischer Garten (Jardim Botânico da Madeira – Eng.º Rui Vieira)
Der Botanische Garten von Madeira ist eine eigene Attraktion, getrennt vom Monte Palace – gut zu wissen, denn Besucher verwechseln die beiden oft oder halten sie für denselben Ort. Dabei sind sich die beiden Erlebnisse nicht einmal ähnlich.
Der Garten umfasst etwa 8 ha (davon 5 ha gestaltet) auf dem Gelände der ehemaligen Quinta do Bom Sucesso – dem Privatanwesen der Familie Reid (derselben Familie, die das berühmte Hotel Reid’s Palace mit Blick über Funchal gegründet hat). Seit 1960 ist er öffentlich zugänglich, und seit 2009 trägt er den Namen des Ingenieurs Rui Vieira – des Agronomen, der ihn angelegt und ihm sein Leben gewidmet hat.
Der Garten vereint mehr als 2000 Arten exotischer Pflanzen aus aller Welt – von Sukkulenten und Kakteen über Palmen und Farne bis zu endemischen Pflanzen Madeiras und anderer atlantischer Inseln (Azoren, Kanaren, Kapverden). Die Pflanzen sind mit wissenschaftlichem und gebräuchlichem Namen sowie ihrer Herkunft beschildert. Es gibt auch ein Amphitheater, restaurierte Teiche und – seit 2017 – einen Garten mit portugiesischen Kamelien.
Auf dem Gelände befindet sich das Naturkundemuseum (im Ticketpreis enthalten). Von mehreren Aussichtspunkten hast du ein Panorama über Funchal und den Ozean.
Anfahrt: Bus 031 (hält direkt am Garten), 029 (fährt weiter nach Curral dos Romeiros) oder 131 (bis zur Seilbahnstation am Garten) aus dem Zentrum von Funchal, ein Taxi oder die Seilbahn ab Monte (Teleférico do Jardim Botânico, etwa 9 Minuten Fahrt). Der Garten liegt 3 km vom Zentrum entfernt, auf 150 bis 300 m über dem Meer.
Hinweis: Die Wege im Garten können steil sein und haben Stufen – sie sind nicht rollstuhlgerecht. Plane für deinen Besuch etwa 1–2 Stunden ein.
Wichtig: Hunde sind nicht erlaubt (außer Blindenhunden). Das ist ein entscheidender Unterschied zum Monte Palace, der hundefreundlich ist.
WeiterlesenBotanischer Garten FunchalTickets 2026, Öffnungszeiten, die Busse 031, 029 und 131 und die Seilbahn ab Monte.
Wenn du Zeit für beide Gärten hast, fang mit dem Monte Palace an (dem spektakuläreren der beiden) und fahr dann mit der Seilbahn hinunter zum Botanischen Garten. Wenn du nur Zeit für einen hast – ganz klar Monte Palace. Interessierst du dich aber mehr für Botanik als für Gartengestaltung, kann dich der Jardim Botânico mit seinem wissenschaftlichen Ansatz und seiner Sammlung endemischer Pflanzen überraschen.




1: Jardim Botânico – der Botanische Garten in Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2023, 2: Panorama vom Botanischen Garten, November 2023, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 3: Jardim Botânico – der Botanische Garten in Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2023, 4: Blick auf Funchal vom Botanischen Garten, November 2023, Foto: Ewelina Podrez-Siama
Mercado dos Lavradores (Bauernmarkt)
Der Bauernmarkt ist eine Ikone Funchals – gebaut in den 1930er-Jahren im Stil des Estado Novo, der Art déco mit Moderne verbindet. Den Haupteingang schmücken Azulejo-Bilder, weitere findest du drinnen – gefertigt von der Werkstatt Fábrica Battistini (Maria de Portugal) und 1940 von João Rodrigues bemalt. Der Markt liegt mitten im Herzen der Stadt, nah am historischen Viertel Santa Maria.
Im Erdgeschoss und im ersten Stock: tropische Früchte, Gemüse, Blumen (Strelitzien, Orchideen, Proteen, Rosen, Anthurien, Kamelien) und Gewürze. Blumenverkäuferinnen in traditioneller regionaler Tracht gehören fest zum Bild.
Im Untergeschoss: Fisch und Fleisch – hier siehst du, wie riesige Thunfische mit Macheten zerlegt werden, und den schwarzen Degenfisch (espada preta), einen der markantesten Fische Madeiras.
Für mich ist der Mercado eher ein Ort zum Schauen als zum Einkaufen. Obst und Blumen kosten hier spürbar mehr als in den Läden der Umgebung, die oft buchstäblich nebenan liegen. Komm wegen der Atmosphäre, der Azulejos und der Farben – aber kauf woanders ein.
Die Obstverkäufer lassen dich gern ein Stück Obst probieren. Und rechnen genauso fest damit, dass du dann den ganzen Korb kaufst. Mir ist das auch passiert. Und nicht nur einmal. Tipp: Lehn ruhig höflich ab.




1: Der Mercado, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2026, 2: Der Mercado, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2026, 3: Der Mercado, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2026, 4: Der Mercado, Foto: Ewelina Podrez-Siama, November 2023
MAMMA – Museum für moderne Kunst Madeira
Das MAMMA (Museu de Arte Moderna da Madeira) ist ein privates Museum für zeitgenössische Kunst, das im Juli 2021 eröffnet wurde. Auf 800 m² zeigt es rund 300 Werke – Gemälde und Installationen – des madeirischen Künstlers Rui Sá, entstanden über 15 Jahre. Die Ausstellung gliedert sich in 14 Themenbereiche rund um fünf Elemente: Wasser, Luft, Erde, Feuer und Geist.
Doch das MAMMA ist vor allem eins: ein Ort für Konzerte. Im Multi-event Auditorium des Museums finden regelmäßig Musikabende aller Art statt – von Klassik und Jazz bis zu Tribute-Bands.
Ich war mehrmals im MAMMA und jedes Mal beeindruckt. Die Konzerte sind phänomenal – ein intimer Saal, gute Akustik, die Musiker fast zum Greifen nah. Besonders empfehle ich die ABBA-Abende und „From Phantom of the Opera to Bohemian Rhapsody“ – tolle Energie und professionelle Musiker. Schau vor deinem Besuch ins aktuelle Programm.




1: Ein Plakat für das Konzert „Mamma Mia!“ im Museum MAMMA, März 2025, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 2: Das Museum MAMMA, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2025, 3: Das Museum MAMMA, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2025, 4: Gemälde in einem Flur des Museums MAMMA, März 2025, Foto: Ewelina Podrez-Siama
Museum und Statue von Cristiano Ronaldo (CR7)
Cristiano Ronaldo wurde in Funchal geboren, im Viertel Santo António. Er ist der berühmteste Sohn Madeiras – sogar der Flughafen der Insel trägt offiziell seinen Namen (Aeroporto Internacional da Madeira – Cristiano Ronaldo).
Das CR7-Museum
Das Museu CR7 wurde 2013 eröffnet und zog 2016 in ein neues, größeres Gebäude an der Praça CR7 (früher Praça do Mar), unterhalb des Hotels Pestana CR7. Drinnen stehen mehr als 150 Trophäen – darunter 5 Ballon d’Or und 4 Goldene Schuhe. Außerdem gibt es eine lebensgroße Wachsfigur, Filme und Fotos der Karriere-Highlights und Augmented-Reality-Elemente.
Die Ronaldo-Statue

Vor dem Museum steht eine Bronzestatue von Ronaldo des Bildhauers Ricardo Velosa – desselben Künstlers, der die Büste von Piłsudski geschaffen hat. Ein nettes Detail, das die beiden verbindet.
Wenn du Ronaldo-Fan bist, ist das Museum Pflicht. Die Statue an der Promenade kannst du kaum übersehen – sie steht am Hauptweg entlang des Hafens und ist an einigen vielsagenden Stellen von Touristenhänden blank gerieben.
Die Uferpromenade und die Avenida Arriaga
Die Avenida Arriaga ist Funchals Hauptboulevard – hier zieht der Umzug des Blumenfests entlang, und an ihr reihen sich Blumenläden, Geschäfte mit Madeira-Stickerei und Weinkellereien. Die Allee mit Jacarandabäumen, die im Mai und Juni violett blühen, gehört zu den meistfotografierten Ecken der Stadt.
Die Promenade (Avenida do Mar) verläuft am Hafen entlang – von der Marina bis zur Altstadt. An ihr liegen das Museu CR7, das Kolumbus-Denkmal und Cafés mit Meerblick. Eine natürliche Spazierroute, die die wichtigsten Sehenswürdigkeiten am Meer verbindet.




1: Die Promenade in Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama, November 2023, 2: Ein Regenbogen über Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2023, 3: Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama, November 2023, 4: Die Avenida Arriaga am Abend, Februar 2025, Foto: Ewelina Podrez-Siama
Blandy’s Wine Lodge
Die älteste Kellerei für Madeirawein, offiziell Adegas de São Francisco. Drinnen gibt es ein Museum mit historischen Dokumenten, Briefen berühmter Persönlichkeiten, einer Weinpresse aus dem 17. Jahrhundert und historischen Maschinen. Führungen in mehreren Sprachen, Verkostungen und Weinverkauf.
Ich war bei einer Verkostung – und ich gebe zu, ein großer Fan von Madeirawein bin ich nicht. Aber der Ort selbst hat viel Atmosphäre, und für Liebhaber von Likörwein ist er ein Muss. Schon allein wegen der historischen Keller und der Geschichte der Familie Blandy, die seit Generationen auf Madeira Wein macht, lohnt sich ein Abstecher.



2: Fässer mit Madeirawein im Showroom von Blandy’s, Funchal, Madeira, Portugal, 3: Madeirawein
Palast São Lourenço (Palácio de São Lourenço)
Eine Festung aus dem 16. Jahrhundert an der Avenida Zarco – das prächtigste Beispiel ziviler und militärischer Architektur auf Madeira. Der Bau begann unter König Johann III. und wurde während der Personalunion mit Spanien (1580–1640) vollendet.
Jahrhundertelang diente sie als Residenz der Gouverneure, und 1807–1808 war sie während der Napoleonischen Kriege sogar von den Briten besetzt. Heute ist sie Sitz des Vertreters der Republik für die Autonome Region Madeira. Im östlichen Teil befindet sich das Militärmuseum mit einer Waffensammlung vom 17. Jahrhundert bis heute (Eintritt kostenpflichtig, Mo–Fr 10:00–16:30 Uhr). Die Prunksäle mit ihren Kronleuchtern und Möbeln aus dem 18. Jahrhundert kann man mit Führung besichtigen, seit August 2025 ist der Palast aber wegen Renovierung für Besucher geschlossen (die Wiedereröffnung ist für das 4. Quartal 2026 angekündigt).
Festung São Tiago (Forte de São Tiago)
Eine gelbe Festung am östlichen Ende der Zona Velha, ab 1614 errichtet, um Funchal vor Piraten zu schützen. Den Bau leitete Baumeister Jerónimo Jorge, später sein Sohn Bartolomeu João, und im 18. Jahrhundert erweiterte sie der Ingenieur Tossi Columbina (der den Hafen von Funchal entwarf).
Jahrhundertelang diente die Festung als Kaserne – hier waren unter anderem britische Truppen stationiert –, und 1803 fanden hier Flutopfer Zuflucht. Früher war hier das Museum für zeitgenössische Kunst untergebracht, derzeit ist die Festung aber für Besucher geschlossen (nur das Restaurant ist zugänglich). In der Festung gibt es auch das Restaurante do Forte – ein elegantes Restaurant mit Terrasse und Blick über die Altstadt. Bei einem Bummel durch die Zona Velha ist die Festung gut zu sehen und passt ganz natürlich in die Route des ersten Tages.




1: Die Mauern der Festung São Tiago, November 2023, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 4: Die Bucht an der Festung São Tiago, März 2025, Foto: Ewelina Podrez-Siama
Die Jesuitenkirche (Igreja do Colégio)
Offiziell Igreja de São João Evangelista – eine Jesuitenkirche von 1629, die den schönsten Platz Funchals, die Praça do Município, prägt. Der Innenraum markiert den Übergang vom Manierismus zum Barock: vergoldete Altaraufsätze aus dem 17. Jahrhundert (mit die wertvollsten in Portugal), eine Decke in Trompe-l’Œil-Malerei, Azulejos in der Sakristei und die Kapelle der Elftausend Jungfrauen mit einem bemalten Gewölbe, das eine Kuppel imitiert. 2008 wurde hier eine große Orgel des Orgelbauers Dinarte Machado eingebaut – eingeweiht hat sie der niederländische Dirigent Ton Koopman. Eintritt frei. Den Kirchturm kannst du auch besteigen (kostenpflichtig). Die Kirche liegt direkt auf dem Weg von der Blandy’s Wine Lodge zum Mercado dos Lavradores, du kannst sie also leicht in deine Route einbauen.
Kloster Santa Clara (Convento de Santa Clara)
Ein Klarissenkloster aus dem späten 15. Jahrhundert, gegründet vom zweiten Lehnsherrn (Capitão-Donatário) von Funchal – João Gonçalves da Câmara, dem Sohn des Entdeckers der Insel. 1497 fertiggestellt, nahm es die Töchter des örtlichen Adels auf. Drinnen gibt es einen gotischen Kreuzgang, mehrere reich geschmückte Kapellen mit Azulejos im maurischen Marvila-Muster (einzigartig auf Madeira), eine hölzerne Kassettendecke mit Pflanzenmotiven und einer Galeone sowie einen silbernen Tabernakel von 1671. Ein historisches Highlight: Hier befindet sich das Grab von João Gonçalves Zarco, dem Entdecker Madeiras. Bis vor Kurzem war das Kloster für Besucher geschlossen (ein Klausurorden), nach der Renovierung wurde es 2023 wieder geöffnet. Besichtigung nur mit Führung. Einige Franziskanerinnen leben noch hier.

Miradouro Pico dos Barcelos
Ein beliebter Aussichtspunkt westlich des Zentrums, auf etwa 355 m über dem Meer. Das Panorama umfasst ganz Funchal, die Bucht, den Hafen mit seinen Kreuzfahrtschiffen und – bei gutem Wetter – die Ilhas Desertas am Horizont. Der Blick ist der „klassische“: die Stadt, die sich wie ein Amphitheater unter dir ausbreitet. Es gibt touristische Infrastruktur: einen Parkplatz, Bänke und ein kleines Café. Hin kommst du mit dem Auto oder Taxi (etwa 10 Minuten vom Zentrum) oder mit dem Bus. Am schönsten bei Sonnenuntergang, wenn das Licht die Dächer Funchals golden färbt. Der richtige Ort für alle, die „das berühmte Foto“ von Funchal von oben wollen.
Miradouro do Pináculo
Ein Aussichtspunkt am östlichen Ende von Funchal, in der Gemeinde São Gonçalo, auf 283 m über dem Meer. Er gilt als einer der markantesten Miradouros der Stadt – und als einer der meistfotografierten Orte auf Instagram. Der Blick ist ungewöhnlich, weil du etwas von der Seite auf Funchal schaust – von den Klippen von São Gonçalo siehst du den Bogen der Bucht, den Hafen, die ganze Stadt, die sich die Hänge hinaufzieht, und den offenen Atlantik. Der Eindruck ist ein anderer als am Pico dos Barcelos, wo du über der Stadt stehst – hier hast du den Blick aus der Distanz.
Besonders lohnt es sich bei Sonnenuntergang – das Licht über der Bucht ist dann etwas Besonderes. Abends, wenn die Lichter der Stadt angehen, ist der Blick genauso schön. Der Aussichtspunkt ist klein (etwa 141 m²), liegt direkt an der Straße und hat Bänke. Nimm den Bus 039 Montanha (Haltestelle Estalagem Montanha) oder fahr mit dem Auto – aber Achtung, es gibt buchstäblich nur 2–3 Parkplätze an der Straße.



1: Blick vom Miradouro do Pináculo, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2026, 2: Blick vom Miradouro do Pináculo entlang der Küste von Funchal, Februar 2026, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 3: Die Klippe unterhalb des Miradouro do Pináculo, Februar 2026, Foto: Ewelina Podrez-Siama
Madeira Story Centre
Ein interaktives Museum, das die Geschichte Madeiras von der vulkanischen Entstehung bis heute erzählt – 14 Millionen Jahre in etwa 45 Minuten. Historische Exponate, Multimedia und Rekonstruktionen (darunter Napoleon, der auf dem Weg nach St. Helena an Bord der HMS Northumberland Madeirawein erhält, und die Kabine eines Wasserflugzeugs der Aquila Airways).
Im dritten Stock gibt es eine Aussichtsterrasse mit Panorama über Funchal – die lohnt sich auch ohne Museum. Außerdem gibt es ein Restaurant (10 % Rabatt mit Ticket) und einen großen Souvenirladen. Ein guter Ort, um deinen Aufenthalt zu beginnen und den historischen Hintergrund der Insel kennenzulernen – oder für einen Regentag.
Funchal ist ein guter Ausgangspunkt: Bootstouren zur Delfinbeobachtung, Canyoning und Inselrundfahrten, viele mit Abholung vom Hotel. Vergleiche Angebote und Bewertungen auf GetYourGuide.
Praktische Informationen
Unterwegs in Funchal
Das Zentrum kannst du zu Fuß erkunden, aber denk daran – die Stadt ist steil. Gute Schuhe sind Pflicht. Alternativen sind die Stadtbusse von Horários do Funchal (2,05 € beim Fahrer, günstiger mit der GIRO-Karte – 1,45 € pro Fahrt), Taxis und touristische Tuk-Tuks (eine beliebte Art, unter anderem die Aussichtsterrassen zu sehen).
Essen in Funchal: meine Adressen
In Funchal landest du, wie in jeder Touristenstadt, schnell bei austauschbarem, auf Touristen zugeschnittenem, mittelmäßigem Essen. Überall auf dieser Liste habe ich selbst gegessen. Wenn ich mich auf drei festlegen muss: O Justiniano, Brunchology und Why Not?
Bar No 2 (offiziell Pub Number Two, Rua D. Carlos I 54-56, Zona Velha) – eine Kultadresse für Prego, Madeiras Steak-Sandwich in Bolo do Caco (dem lokalen Fladenbrot). Ihr „Prego Number Two“ mit Bacon, Käse, Tomate und Salat ist ein Hit – viele Gäste kommen jeden Tag wieder. Eine riesige Auswahl frisch gemixter Ponchas (ich empfehle die Pescador), dazu Nikita, ein Drink aus Ananassaft, Bier und Wein (gut gemacht schmeckt er super!). Sehr faire Preise – zwei Pregos, Bier und ein Kaffee für unter 15 €.




1: Nikita in der Bar No2, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2026, 2: Prego in der Bar No2, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2026, 3: Prego in der Bar No2, Februar 2026, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 4: Poncha in der Bar No2, Foto: Ewelina Podrez-Siama, Februar 2026
Nata7 (3 Filialen: Rua dos Ferreiros 69 / Rua Dr. Fernão de Ornelas 60 / Caminho Santa Quitéria 45) – Madeiras erste Café-Kette, die sich ganz den Pastéis de Nata (Puddingtörtchen) widmet. Es gibt sie seit Dezember 2022, das Rezept ist über 40 Jahre alt. Die Törtchen werden vor Ort gebacken und sind jeden Tag frisch – mit etwas Glück bekommst du sie noch ofenwarm. Knuspriger Teig, cremige Füllung, eine zart karamellisierte Oberfläche. Ein Pastel de Nata kostet etwa 1 €, mit Kaffee 1,50 €. Für Madeira ein außergewöhnlicher Preis, denn viele Cafés verlangen schon für das Törtchen allein mehr. Der perfekte Stopp für eine schnelle süße Pause zwischen zwei Sehenswürdigkeiten.
Why Not? Restaurant Grill (Av. do Infante 28, am Park Santa Catarina) – ein gemütliches Grillrestaurant mit mediterraner und madeirischer Küche. Leckeres Bolo do Caco, aber auch eine gute Fischsuppe, gegrillter Fisch und saftige Steaks. Im Schnitt etwa 20 € für ein Hauptgericht. Samstags Livemusik. Reservier einen Tisch – das Lokal ist beliebt. Auf TheFork gibt es oft Rabatte (bis zu 30 %).

O Justiniano Garden (Av. do Infante 56) – eines der wenigen Lokale in Funchal, in denen Espetada noch traditionell zubereitet wird: Fleisch, über offenem Feuer an einem Lorbeerspieß gegrillt. Geöffnet seit 1987 – ein „Casa de Espetadas Madeirense“, wie sie sich selbst nennen. Den Grill siehst und riechst du schon beim Hereinkommen, die Köche arbeiten direkt am offenen Feuer. Neben der Rindfleisch-Espetada (etwa 15 €) solltest du auch die Varianten mit Lachs oder Garnelen probieren. Ein großer Garten im Freien. In der Hochsaison vorher reservieren – die Schlangen können lang sein.
Martucci (Estrada Monumental 314, nahe dem Lido) – eigentlich zwei Lokale in einem: ein Restaurant mit voller Karte und nebenan eine Pizzeria. Die Küche ist italienisch, aber es gibt auch eine hervorragende Espada (Schwarzer Degenfisch) mit Maracujasoße – ein madeirisches Aushängeschild mit italienischem Twist. Frische Pasta, dünne knusprige Pizza, ein gutes Surf & Turf. Degustationsmenü etwa 20 €. Küchenchef ist Filipe Fernandes, und das Team, das früher hier arbeitete, kam aus dem legendären Restaurant Mozart. Italienische Musik im Hintergrund, gemütliche Atmosphäre.
Brunchology (Rua João Tavira 28, Zentrum) – ein recht neues Frühstückslokal in Funchal. Shakshuka, Pancakes mit Lachs und Burrata, Bowls – eine moderne Karte, gut umgesetzt. Vegane und glutenfreie Optionen. Täglich 9:00–18:00 Uhr geöffnet. Ideal für ein ausgiebiges, gemütliches Frühstück vor einem Wandertag.


1: Brunchology, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025, 2: Brunchology, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025
Banana’s Pub (Largo do Corpo Santo 20, Zona Velha, an der Kapelle Corpo Santo) – ein stimmungsvoller Pub in der Altstadt mit tollem Picado – Fleischstückchen aus der Pfanne mit Pommes, perfekt zum Teilen beim Bier. Bekannt ist er auch für Livemusik an fast jedem Tag, Bananenbier (Madeira Beer Lab: Weiss Banana) und hausgemachte Ponchas. Ein guter Ort, um abends nach dem Sightseeing zu entspannen.
Fala Fala Vege Food (Arcadas de São Francisco 18, Zentrum von Funchal) – ein veganes und vegetarisches Lokal, versteckt in einer Ladenpassage und gegründet von Polen. Die Karte ist von den Reisen der Inhaber inspiriert und vor allem nahöstlich: Falafel, orientalische Wraps, Hummus mit Fladenbrot. Vegane Burger mit hausgemachten Pommes kosten etwa 10 €. Jeden Tag gibt es ein anderes Tagesgericht und einen anderen Kuchen des Tages. Außerdem glutenfreie Optionen und die beste Sangria, die ich in Funchal getrunken habe.
Ákua by Chef Júlio Pereira (Rua dos Murças 6, Altstadt) – die Spitze dieser Liste. Im Guide Michelin 2025 gelistet und geführt von Küchenchef Júlio Pereira. Die Küche basiert auf lokalen Meeresfrüchten – in der Vitrine liegt jeden Tag frischer Fang. Sardinen mit Aubergine und Maracuja, Bacalhau-Tacos, Reis mit Meeresfrüchten. Eine offene Küche, in der du dem Chef bei der Arbeit zusehen kannst. Die Preise liegen über denen typischer Restaurants – etwa 30–50 € pro Person ohne Getränke –, aber es ist auch eine ganz andere Liga. Reservierung unbedingt nötig.




1: Ákua by Chef Júlio Pereira, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025, 2: Ákua by Chef Júlio Pereira, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025, 3: Ákua by Chef Júlio Pereira, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025, 4: Ákua by Chef Júlio Pereira, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025
Funchal mit Hund
Tesla, meine Hündin, war in Funchal eine kleine Berühmtheit – Einheimische haben sie auf der Straße wiedererkannt. Für eine südeuropäische Stadt ist Funchal überraschend hundefreundlich:
- Restaurants – auf Terrassen sind Hunde willkommen, drinnen meist nicht.
- Parks – Santa Catarina und der Jardim Municipal sind mit Hund kein Problem.
- Monte Palace – ja, du kannst mit deinem Hund hinein!
- Fortaleza do Pico – ein steiler Aufstieg, mit Hund aber gut machbar.
- Die Promenade – perfekt für einen Abendspaziergang mit deinem Vierbeiner.
Funchal bei Nacht
Funchal bei Nacht ist ein ganz anderes Erlebnis. Madeira ist im Allgemeinen ziemlich sicher – nachts bin ich in Funchal lieber herumgelaufen als im polnischen Wrocław. Die Stadt ist gut beleuchtet, und die Promenade und die Zona Velha mit ihrer Livemusik haben abends eine ganz andere Stimmung als tagsüber. Besonders in der Weihnachtszeit (in der Saison 2026/2027 vom 1. Dezember bis 10. Januar) funkelt Funchal mit Tausenden Lichtern – beleuchtete Straßen, die Kathedrale umgeben von leuchtenden Engeln, bunte Dekorationen in jeder Gasse.
Der Höhepunkt ist Silvester – ein Feuerwerk von etwa 50–60 Abschussstellen an Land und auf See, das rund 8 Minuten dauert (58 Abschussstellen zum Jahreswechsel 2025/2026). Es ist eines der bekanntesten Silvesterfeuerwerke der Welt.






1: Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 2: Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 3: Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 4: Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 5: Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama, 6: Eine Gasse mit dem Turm der Kathedrale Sé bei Nacht, Februar 2026, Foto: Ewelina Podrez-Siama
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1: Eine Gasse in Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025, 2: Stufen und Bougainvillea in Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025, 3: Funchal bei Nacht, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025, 4: Ein Regenbogen über Funchal, Foto: Ewelina Podrez-Siama 2025
Fazit
Funchal ist mehr als eine Basis zum Wandern – eine lebendige Stadt mit über fünfhundert Jahren Geschichte, ein paar polnischen Akzenten und echtem Charakter. Von der Kathedrale mit ihrer Mudéjar-Decke und den polnischen Denkmälern über Konzerte in der anglikanischen Kirche bis zur Aussicht von der Fortaleza do Pico – Funchal verdient deine Zeit. Und es lohnt sich, die Stadt nicht nur zu besichtigen, sondern hier zu leben, und sei es nur für kurze Zeit.
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